Reizthema Rechtschreibung

Dauerthema Rechtschreibreform - ein Anreiz nachzudenken...


Je mehr man sich mit ihr beschäftigt, desto tiefer zieht sie einen in ihren Bann, die sogenannte "Rechtschreibreform"!

39 Leute im "Rat für deutsche Rechtschreibung", viele von ihnen Laien, wollen bestimmen, wie ich die Anrede "Du" in einem persönlichen Brief zu schreiben habe ...

Ja Laien! Das heißt, ein beträchtlicher Teil dieser Leute hat von Sprache im wissenschaftlichen Sinn keinen blassen Schimmer. Etwa vergleichbar, als wollte jemand, der vom "Pythagoras" noch nie etwas gehört hat, die Mathematik reformieren!

Einige kommen aus dem Zeitungs- und Verlagswesen, sind also durchaus Personen mit soliden wirtschaftlichen Interessen. Weil Wörterbücher sich halt besser verkaufen, wenn es häufige Regelanpassungen gibt.

Daß hier eigentlich die Zukunft der Schreibkultur einer 100 Millionen Bevölkerung - gegen deren Willen - fast nach Beliebigkeit zum Spielball solcher "Laien-Fachleute" wird, das scheint niemanden zu kratzen ...

Hier sind alle richtig, die schon immer mehr über die Reform wissen wollten! Ich versuche - so kurz wie möglich, aber so ausführlich als notwendig - einen Überblick über alle wichtigen Fakten vor Augen zu führen. Die Reform begann 1996, und sie läuft und läuft und ... Also eine Art von
"Never Ending Story"!

Nur der Vollständigkeit halber: eine gewisse Verbindlichkeit hat die Schreibreform nur für den Schulunterricht und Ämter erlangt, alle anderen können schreiben wie sie wollen (und sollten das auch tun)!

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Nun ein kurzer Einschub zur Erklärung: Der Originaltext, in hellblauer Schrift, entstand etwa im November 2005. Da im März 2006 weitere Änderungen beschlossen wurden, gibt es die nachträglichen Ergänzungen in oranger Schrift, um die Betrachtungen aktuell zu halten.


Aber der Reihe nach:

Bis 1996, dem Starttermin der hier diskutierten Reform, schrieben Vorgänger-Reformprojekte immer nur jene Dinge fest, die sich durch den tatsächlichen Schreibgebrauch ohnehin schon zum Faktum entwickelt hatten. Zuletzt war das 1901 der Fall. Stichwort: "Tür" statt "Thür", das stumme "h" war ohnehin im natürlichen Aussterben.

Zwischen 1901 und 1996 fanden in Fachkreisen nahezu ununterbrochen theoretische Diskussionen zum Thema Schreibreform statt. Zuletzt war ein Übergang zur Kleinschreibung die Hauptüberlegung in dieser Diskussion, ähnlich zum Englisch, und eine Eliminierung des scharfen "ß".

Was dann dazu führte, daß der Inhalt der tatsächlich zur Ausführung gelangten Reform völlig anders aussah, zu dieser Frage kann nur auf entsprechende Literatur hingewiesen werden; es würde diesen Rahmen weit sprengen.

Faktum ist, daß eine Gruppe namens "Zwischenstaatliche Kommission für deutsche Rechtschreibung", legitimiert durch die Regierungen der deutschsprachigen Länder, auf der "grünen Wiese" eine Neuregelung der Rechtschreibung regelrecht erfand. Ja - erfand! Die Kommission bestand aus 12 Mitgliedern; 6 deutschen, 3 österreichischen und
3 schweizerischen "Wissenschaftlern".

Es wurde also erstmals das bewährte Konzept durchbrochen, Schreibweisen vom existierenden Gebrauch abzuleiten; statt dessen versuchte man den umgekehrten Weg, nämlich die existierenden Schreibweisen durch künstliche, neu erfundene, abzulösen. Jawohl! Richtig verstanden: künstlich und neu erfunden! Begründet wurde diese Vorgangsweise durch eine (bis heute unbewiesene) Behauptung, nämlich, daß dadurch die Schreibung nachhaltig vereinfacht würde.

Das besonders absurde an dieser Situation ist, daß nicht zielgerichtet Dinge reformiert wurden, die sich aufgrund der gemachten Erfahrung als schwierig und fehleranfällig entpuppt hatten, nein - es sind großteils Punkte, bei denen es, meiner Erinnerung nach, überhaupt nie einen "Leidensdruck" im Bezug auf die Schreibung gab.

Das "Elaborat" der Kommission wurde auch umgehend durch die zuständigen Ministerien für Schulen und Ämter verbindlich gemacht; in Schulen aber noch ohne Notenwirksamkeit.

Nun gut, was da tatsächlich ausgeheckt wurde, das ist selbst heute (2005/06) nur einer Minderheit des Schreibvolkes vollumfänglich bewußt. Ins allgemeine Bewußtsein ist eigentlich nur die veränderte s-Schreibung vorgedrungen (ss statt ß, in gewissen Fällen).

Ergänzend sei bemerkt, daß alle "neuerfundenen" Änderungen vollkommen ungeprüft eingeführt wurden. Von der Vorgangsweise her völlig unprofessionell fand kein einziger Testlauf oder Modellversuch zur Vorerprobung des Reformwerkes statt!

Würde ich als Techniker auch nur gesprächsweise so eine Vorgangsweise in Erwägung ziehen, der blaue Brief wäre da, bevor der letzte Satz ausgeklungen wäre ...

Die Journaille versagte ebenfalls. Wie immer, wenn Journalisten etwas wissen müssen, um eine Beurteilung abzugeben, so war auch hier der Analysewille, den Dingen auf den Grund zu gehen, nicht vorhanden. Daher beschränkte sich die Berichterstattung auf Oberflächlichkeiten der Klasse: jetzt "Stängel" statt "Stengel".

Um interessierte Leser nicht weiter auf die Folter zu spannen, zähle ich jetzt jene Punkte auf, die ich aufgrund meiner Analyse als besonders kritikwürdig erkannt habe:

  1. Verpflichtung zu ungrammatischen Schreibungen!
  2. Willkürliche und unlernbare Festlegungen zur Getrennt- /Zusammenschreibung,
  3. Den inhaltlichen Bedeutungen zuwiderlaufende Großschreibungen,
  4. Der Bereich s-Schreibung,
  5. Mißverständnisse produzierende neue Beistrichregelung,
  6. Punktuelle und willkürliche Änderungen unter dem Titel "Stammprinzip",
  7. Ein Sammelsurium von weiteren Einzeländerungen, welches - völlig unsystematisch - Probleme löst, die zuvor nie bestanden.

Ich werde nachher zu jedem dieser Punkte Beispiele bringen, der Leser soll eine klare Vorstellung bekommen. Die genannte Reihung entspricht übrigens meiner persönlichen Prioritätsliste.

Vorerst einmal aber eine Feststellung: diese Liste sieht nicht so aus, als wäre sie ein Beleg für die Erreichung des Ziels - die Schreibung sei jetzt viel einfacher als früher.

Vorausgeschickt sei auch noch folgende allgemeine Feststellung: Bei aller Diskussion über Rechtschreibung darf selbstverständlich nicht übersehen werden, daß der intellektuelle Inhalt von Schriftelaboraten höher zu bewerten ist als die Form, zu der die Orthografie ja dazugehört.

Und noch etwas wichtiges: Schreibung erlernt man nicht durch das Lernen von Regeln! Regeln sind bestenfalls dazu da, um im Falle einzelner Unsicherheiten ein Hilfsmittel oder eine Probe zur Eingrenzung zur Verfügung zu haben. Lernen muß man, wie die "Wortbilder" aussehen, dann ergibt sich alles andere von selbst. Wie die Wortbilder aussehen, das lernt man hauptsächlich durch Lesen (hoffentlich richtig geschriebener Texte).

Kurzer Einschub: Ich glaube, die Verschriftung strebt automatisch ihrem jeweiligen Optimum zu (ähnlich der Evolutionstheorie nach Darwin). Wäre eine andere Schreibung besser, effizienter oder sonstwie günstiger, sie hätte sich schon längst von selbst so ergeben. Jeder künstliche Eingriff von außen muß daher einer Verschlechterung gleichkommen ...

Klicken sie hier, wenn Sie an einer Diskussion meiner sieben Kritikpunkte Interesse haben;

Klicken Sie hier, wenn Sie an den Details nicht interessiert sind und gleich in der Story fortsetzen wollen.

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Reizthema Rechtschreibreform, 07/2006

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Letztes Update: Juli 2006 - senden Sie mir eine email
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