Faule Lehrer ? Story2

 

Faule Lehrer?

Lehrer sind beamtete Bedienstete und arbeiten daher nach den Regeln ihres Dienstrechts.

Sollte in der Öffentlichkeit der Eindruck entstehen daß Lehrer faul seien, kann das nur an der Unkenntnis oder Mißinterpretation des Dienstrechtes liegen, weil es klarerweise denkunmöglich ist, daß das Dienstrecht aus den Lehrern „faule“ Lehrer macht!

Der Lehrerberuf und das sei vorausgeschickt, ist ein Beruf für den die "Wortstammregel" im wahrsten Sinne des Wortes gilt. Zum Lehrberuf muß jemand „berufen“ sein und dafür auch die notwendigen natürlichen Talente und so etwas wie Sendungsbewußtsein mitbringen.

Sonst kann das Dasein leicht zur Qual geraten. Es gibt eine wahrscheinlich unbekannte Dunkelziffer an Leuten die Lehrer wurden, für die aber der tägliche Gang in die Klassenzimmer ein sehr schwieriger ist. Diese Leute leiden sehr stark darunter, den gruppendynamischen Prozeß, der sich in Klassengemeinschaften abspielt nicht zu verstehen und sich ihm daher auch nicht richtig stellen können.

Eine andere Gruppe hat trotz gleicher Voraussetzungen Mittel und Wege gefunden, die Lage einigermaßen unter Kontrolle zu behalten. Die letzte Gruppe - wie groß sie prozentuell ist, weiß niemand wirklich, hat alle natürlichen Eigenschaften um einen idealen Lehrer abzugeben. Für diese Gruppe ist der Beruf auch Spaß, und das ist die Idealkonfiguration. Nach diesem kurzen Ausflug in die Berufung, jetzt wieder zum eigentlichen Titelthema.

Wieso gibt es überhaupt eine Diskussion, ob Lehrer faul seien? Hier ein Versuch die Hintergründe etwas aufzuhellen.

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Lehrer haben durchschnittlich eine Lehrverpflichtung von 20 Wochenstunden. Wochenstunden sind Lehreinheiten zu ca. 50 Minuten die ein Lehrer lehrend in der Klasse verbringt oder als Assistent an Lehrveranstaltungen teilnimmt.

Nach einer groben Überschlagsrechnung hat ein Lehrschuljahr 52 minus 8 (große Ferien) minus 1 (Weihnachtferien) minus 1 (Semesterferien) = 42 Wochen. 42 mal 20 = 840 Stunden.

Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Angestellter hat 52 minus 5 = 47 Wochen zu arbeiten. Bei einer Wochenarbeitszeit von 38,5 Stunden ergibt das ca. 1800 Stunden, also ca. 960 Stunden mehr als der Lehrer (sprich, mehr als doppelt so viele).

Während bei durchschnittlichen Angestellten eine Überstunde (50%ig) ca. 1% des Monatsgehaltes ausmacht, werden Überstunden (50 Minuten) bei Lehrern zu 7,5% des Monatsgehaltes angerechnet. Ein Lehrer kann also mit ca. 13 monatlichen Überstunden sein Gehalt verdoppeln (sofern ihm Überstunden möglich sind). Jedenfalls wirken sich aber auch schon einzelne Überstunden massiv aufwertend auf das Gehalt aus.

Es wird erklärt, daß die Lehrer auch in der Zeit in der sie nicht in der Klasse stehen arbeiten, und zwar in Summe sogar mehr als durchschnittliche Angestellte. Sollte das so sein, ist eigentlich die Überstundenregel nicht ganz nachvollziehbar. Wenn nämlich jemand ohnehin arbeitet, müßte es doch gleichgültig sein ob in der Klasse oder außerhalb. Überstundenentgelt zu kassieren obwohl man eigentlich ohnehin arbeitet ist schon eigenartig...

Allen diesen und ähnlichen Fakten kann man sich natürlich mit Hingabe widmen und anregende Diskussionen darauf aufsetzen. Mediale Provokationen in diese Richtung beweisen das. Allein, es wird das Thema verfehlt. Eigentlich gibt es nur zwei Kriterien:

  • Lehrer sollen nicht an der Zeit beurteilt werden die sie arbeiten, sondern an ihren Erfolgen, in der vorgegebenen Zeit die Ausbildungsziele in hoher Qualität und möglichst streßfrei für die Lernenden zu erreichen. (Je mehr durchfallen, desto schwächer der Lehrer)
  • Lehrer sollten ein ihrer Leistung adäquates Gehalt beziehen, welches genau wie in der Wirtschaft auch teilweise leistungsabhängig ist.

Man kann sich über diese Sicht nun dem eigentlichen Thema annähern.

Was wäre, wenn jemand die simple Frage stellt: Wie kann man mit einem gewissen Budget erreichen, daß Schüler, wenn sie die Schule verlassen, einerseits eine sinnvolle Allgemeinbildung haben und weiters für jene Spezialdisziplinen die heute am Markt verlangt werden eine gute Grundausbildung erlangt haben?

Als Nebenbedingung ist das bestehende Potential an Lehrkräften und Studieneinrichtungen möglichst optimal einzusetzen. Was müßte man alles tun dieses Ziel zu erreichen?

Gefragt wird also nicht, die Qualität in einem „mehr von mitunter schon angestaubtem Selbem“ zu suchen, sondern in einer zielgerichteten und flexiblen Ausbildung, unter der Berücksichtigung, daß diese nur so lange dauert wie zur Zielerreichung wirklich notwendig ist.

Ziele der Allgemeinbildung könnten sein, daß junge Menschen in den wichtigen Bereichen des täglichen Lebens mitreden und sich eine Meinung bilden können, z.B. bei Politik, Wirtschaft, Kunst, Zeitgeschichte, Sprachen, Sport, Technologie, usw.

Jemandem beispielsweise die Kunst zu vermitteln, quadratische Gleichungssysteme lösen zu können, sollte nur dann Bestandteil der Allgemeinausbildung sein, wenn es in einer der genannten Kategorien von wesentlicher Bedeutung ist.

Bei den spezifischen Lehrzielen empfiehlt es sich, zunächst periodisch in einem organisierten Feedbackmechanismus die anzubietenden Paketierungen zu selektieren, um damit sicherzustellen, daß das System Innovationskompetenz bekommt. Damit werden natürlich neue, heute unbekannte Anforderungen an den Erneuerungswillen der Organisation gestellt und natürlich auch an die Qualifikation der Lehrer.

Es gilt daher, geeignete Methoden und Modelle zu finden, den damit verbundenen Bedarf an Lehrerweiterbildung umzusetzen. Modelle unter Einbeziehung der Industrie würden sich hier aufdrängen...

Alle Bereiche zur direkten Berufsendausbildung und jene zur Vorbereitung auf weiterführende Studien fallen hierher.

Als Ergänzung ist ein Statistikpaket incl. Beratungsdienst notwendig, welches dem Studierenden ermöglicht, sich über den laufenden Trend bezüglich Anforderungen vom Arbeitsmarkt ein Bild zu machen.

Es ist nichts ernüchternder, als am Ende einer Ausbildung festzustellen, daß man etwas kann was eigentlich niemand braucht. Jeden jungen Menschen rechtzeitig darüber aufzuklären, daß er für den weiteren Lebensweg am besten gerüstet ist, wenn er den Marktbedarf klug mit seinen Interessen zur Deckung bringen kann, ist ja heute bereits selbverständlich...

Der Studierende kann sich nun aus dem Paket Allgemeinbildung plus einem Mix aus spezifischen Paketen jenen Cocktail verpassen, den er aufgrund der Beratung einerseits als zukunftsträchtig und andererseits als seinen Interessen entsprechend erkannt hat.

Potential hat auch der bereits genannte Aspekt, Ausbildungsziele nicht wie bisher in vordefinierten Zeiträumen zu erreichen, sondern sich einen Wettbewerb daraus zu machen, Ziele möglichst schnell zu erreichen. Dadurch könnte die große Gruppe von jungen Leuten mit Potential bereits früher in die produktive Lebensphase eintreten.

Schnell soll jedoch nicht so verstanden werden, daß es erhöhten Leistungsdruck auch in Bereichen gibt, die nichts mit der Zielerreichung zu tun haben. Junge Leute können wenn ihnen das zu erreichende Ziel plausibel erscheint sehr kreativ sein, was eine schnelle Zielerreichung anbelangt. Wichtig ist daher auch die Beschäftigung mit den Hintergründen und Zusammenhängen, damit Ziele plausibel werden können.

Viele werden jetzt sagen, was soll das alles? Genau so funktioniert das System ja ohnehin...

Leider läßt die Tatsache, daß heute ein hoher Bedarf an qualifizierten Leuten (und zwar qualifiziert was aktuelle höherwertige Kenntnisse betrifft) vom Abgang der Schulen nicht gedeckt werden kann, etwas anderes vermuten.

Verwunderlich wäre es nicht. Wenn man nämlich die aktuelle Diskussion verfolgt, haben die Organisationen quer über alle Bereiche vor allem eines perfektioniert, nämlich die sogenannte Beharrungskompetenz. Kompetenz also, möglichst hohes Widerstandspotential gegenüber jedweder Veränderung aufbauen zu können. Führend sind dabei die gewerkschaftlich organisierten Interessensvertretungen.

Diese Organisationen haben ihre Denkmodelle, die vor vielen Jahren entstanden sind, bis heute leider nie angepaßt und können daher gar nicht anders, als immer wieder nur die selben historischen Argumente zu wiederholen. Sie haben dabei den Zweck dem sie sich verschrieben haben leider bereits vergessen, und der lautet „Maßnahmen zu fordern, daß es uns in Zukunft weiterhin gut geht“. In der Vergangenheit waren Maßnahmen wie Erhöhung der Einkommen und Verringerung der Arbeitszeit die zentralen Forderungen.

In rasch veränderlichen Zeiten, können Einkommensziele vielfach nur mehr indirekt erreicht werden, nämlich indem die Firmenstrukturen an die neuen Anforderungen angepaßt werden. Nur wenn der Firmenoutput marktgerecht und wettbewerbsfähig ist, kann jenes Geld verdient werden, das man benötigt die Leute gut zu bezahlen. Beharrungskompetenz gegenüber Strukturveränderungen ist daher hochgradig im Widerspruch zu den eigentlichen gewerkschaftlichen Zielen.

Aber auch in den Ministerien merkt man kaum etwas von echtem Willen zur Strukturreform. Von Konzepten dazu schon gar nicht. Anno 2003 wurde von der Handarbeits-Ministerin das Weglassen von Supplierstunden als Strukturreform proklamiert ...

Jetzt wird man sich fragen, was hat das alles noch mit „faule Lehrer“ zu tun? Die Antwort ist - eigentlich nur das Wörtchen „faul“. Erkannt wurde, nicht die Lehrer sind faul, sondern die Organisationen in denen sie wirken. Und auch diese Organisationen sind nicht faul im eigentlichen Sinn, sondern sie sind vielmehr so etwas wie „innovationsfaul“.

Innovationsfaulheit zieht in privatwirtschaftlichen Unternehmen häufig die Bestrafung durch Konkurs nach sich.

Im schulischen Bereich setzt es halt schlechte PISA Noten, aber ansonsten haben wir ja Gott sei Dank die Steuerzahler...

In der Diskussion 2005 werden dem österreichischen System auch noch angeblicher Analphabetismus (300.000) und unterdurchschnitliche Akademikerquote nachgesagt ...

Eine vergleichende Fallstudie „Nyus Bericht“ versus „ebepe Bericht“ ist im selben Programm unter „faule Lehrer 1“ verfügbar. Das sollten sie sich auch einmal ansehen...

Faule Lehrer 2, R1-200509

Letztes Update: September 2005 - senden Sie mir eine email
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